












Bevor Carl Linde das Unternehmen Linde gründete, war er Professor der Maschin-enlehre an der Technischen Hochschule München. Ein Preisausschreiben für eine Kühlanlage zum Auskristallisieren von Paraffin brachte ihn auf das Forschungs-gebiet Kältetechnik. Es gab zwar bereits Kältemaschinen, doch diese arbeiteten ineffizient. Linde entwickelte das theoretische Konzept einer "verbesserten Eis- und Kühlmaschine" und veröffentlichte seine Forschungsergebnisse. August Deiglmayr von der österreichischen Brauerei Dreher und Gabriel Sedlmayr von der Münchner Spaten-Brauerei waren sofort interessiert, denn sie erhofften sich eine ganzjährig zuverlässige Kühlmöglichkeit für ihre Brauereien. Gemeinsam mit Carl Linde gaben sie 1873 den Bau einer Versuchsmaschine nach Lindes Entwurf bei der Maschinenfabrik Augsburg (später MAN) in Auftrag.
Noch heute funktionieren Kühlschränke wie Lindes Kältemaschine: Ein Kältemittel, beispielsweise ein leicht zu verflüssigendes Gas, wird durch Kompression er-wärmt und an der Raumluft wieder abgekühlt. Anschließend wird das komprimierte Kältemittel durch Expansion deutlich unter die ursprüngliche Temperatur abgekühlt.
Die erste Linde-Eismaschine wurde 1874 in der Spatenbrauerei in München in Betrieb genommen. Doch sie hatte einige Mängel. Das Hauptproblem war die Quecksilber-Dichtung, die nicht richtig funktionierte, so dass der zur Kühlung benutzte Methyläther aus dem Kompressor austrat. Das Problem, eine funktion-ierende Dichtung zu entwickeln, war ein generelles Problem dieser Zeit. Auch Albert Einstein befasste sich mit dieser Frage, ohne jedoch eine Lösung zu finden. Zu-sammen mit seinem Assistenten Friedrich Schipper konstruierte Carl Linde schließlich einen neuen Kompressor, bei dem er Glyzerin als Dichtungs- und Ammoniak als Kältemittel einsetzte. Das Dichtungsproblem war nun gelöst. Diese neue Kältemaschine ging 1877 in der Brauerei Dreher in Triest in Betrieb und lief dort 31 Jahre lang.
Die erste verkaufte Linde-Eismaschine
Trotz des Erfolgs seiner Eismaschine, entwickelte Linde, stets um Verbesserungen bemüht, anschließend eine dritte, horizontale Konstruktion. Diese neue Kaltdampf-maschine erwies sich – gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis – als die beste am Markt und wurde für Jahrzehnte zum Standard. Lindes Kältemaschinen galten als zuverlässig, langlebig, sicher und sparsam.
Nachdem Linde zusammen mit befreundeten Brauern ein zuverlässig funktion-ierendes und wirtschaftlich arbeitendes Kältesystem entwickelt hatte, fand er international schnell Käufer. Vor allem Brauer zeigten großes Interesse an Lindes Kältemaschinen. Denn die neue Technik sicherte auch in warmen Wintern die für die Gärung und die Lagerung des Bieres benötigte Kühlung, wenn das bis dahin benutzte Natureis knapp war.
Neben den Brauereien entwickelten sich Schlachthöfe zu den wichtigsten Ab-nehmern für Kälteanlagen. Erst durch die neue Kühltechnik konnte Fleisch nun länger gelagert und über weitere Strecken transportiert werden, ohne dass es verdarb. Die Kälteanlagen von Linde kühlten dabei nicht nur die Luft, sondern reinigten und trockneten sie gleichzeitig um die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden.
Weitere Einsatzgebiete für die neue Kältetechnik waren unter anderem Eisbahnen zum Schlittschuhlaufen, Kühl- und Gefrieranlagen für Schiffe und Eisenbahn-wagons, Anlagen zur Luftentfeuchtung und –kühlung in Wohnräumen und Industrie-anlagen zur Milchkühlung in Molkereien oder zur Kühlung in Zucker- und Schokoladenfabriken.















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