In Zusammenarbeit mit den Rombacher Hüttenwerken wurde 1921 in Oberhausen eine Versuchsanlage errichtet. Diese diente der Forschung an einer Möglichkeit, Koksofengas, ein Nebenprodukt des Kokereibetriebes, in seine Bestandteile Methan und Ethylen zu zerlegen. Gestützt auf diese Versuchsergebnisse und auf die Erfahrungen mit der Wassergaszerlegung entwickelte Linde schließlich ein Verfahren zur Gewinnung von reinem Wasserstoff aus Koksofengas.
Durch Berieselung mit flüssigem Stickstoff werden aus dem Wasserstoff die letzten noch enthaltenen Beimengungen wie Kohlenoxid, Sauerstoff und Methan ausge-waschen. Das auf diese Weise gewonnene Gemisch aus Wasserstoff und Stick-stoff ist aufgrund seiner ungewöhnlichen Reinheit das ideale Ausgangsgas für die synthetische Herstellung von Ammoniak. Ammoniak kann wiederum unter ander-em zu Salpetersäure und zu Düngemitteln weiterverarbeitet werden. Die erste Anlage zur Gewinnung eines Wasserstoff-Stickstoff-Gemisches aus Koksofen-gas bestellte eine belgische Firma im Jahre 1924.
Koksgaszerlegungsanlage in New Orleans, USA (1954)
Bei der Zerlegung von Koksofengas fällt ein Nebenprodukt an, das etwa 30 Prozent Ethylen enthält. Durch ein spezielles Rektifikationsverfahren gelang es Linde schließlich, reines Ethylen zu extrahieren. Ethylen ist gasförmig und eine der einfachsten Kohlenwasserstoffverbindungen. Es kann beispielsweise als Reife-hormon für Obst und Gemüse verwendet werden. Die größte Bedeutung erlangte Ethylen jedoch als Ausgangsstoff für die Herstellung des Kunststoffes Polyethylen, aus dem beispielsweise Folien hergestellt werden. Die erste Anlage zur Gewinnung von Ethylen wurde 1931 für die Chemische Fabrik Holten gebaut und diente zur Herstellung des Frostschutzmittels Glykol.