Ein rotes Schraubenschlüssel-Symbol leuchtet auf dem Bildschirm. Die Warnfarbe signalisiert dem Anlagenbetreiber: Das Ventil für Flüssig-Sauerstoff muss dringend ausgetauscht werden. Und auch die Pumpe für tiefkalten Stickstoff braucht bald ein Ersatzteil. Bislang bedeutete es viel Aufwand, die richtige Komponente zu erhalten. Mit dem LINDE PLANTSERV Portal dagegen können Anlagenbetreiber einfach herausfinden, bei welchen Anbietern das Bauteil zu haben ist und wann es zu welchem Preis geliefert wird – mit direkter Bestellmöglichkeit vom Hersteller. Der Service, den Linde Engineering mit dem neuen elektronischen Marktplatz bietet, ist ein wichtiger zukünftiger Baustein des vormals als Customer Services bezeichneten Bereichs von Linde Engineering, der sich jetzt mit dem Namen LINDE PLANTSERV neu positioniert hat.
Anlagen effizienter managen
Was vorher eine längere Suche und Abfragen nach Verfügbarkeiten von Bauteilen sein konnte, lässt sich jetzt mit dem Online-Portal effizient organisieren. „Beim Ersatzteilgeschäft treten wir als Vermittler auf und bieten unseren Kunden einen zusätzlichen Service an: Wir prüfen, ob die Bauteile, wie zum Beispiel Sauerstoffventile, den aktuellen Qualitäts- und Sicherheitsstandards genügen “, erklärt Dr. Ferdinand Kühner, der bei Linde Engineering den Kunden-Service LINDE PLANTSERV leitet. Wettbewerbsfähige Workflows zu vereinfachen, damit die Ingenieure mehr Zeit für die operativen Arbeiten haben, ist nur ein Vorteil des neuen Online-Portals: Anlagenkunden können darüber auch Durchlaufzeiten planen sowie Wartungen und Reparaturen steuern. Für jede einzelne Anlage sind die notwendigen Schalt- und Flussdiagramme hinterlegt, in die der Kunde hineinzoomen und anstehende Arbeiten organisieren kann.
Digitalisierung revolutioniert Service-Bereich
„Über das Portal lässt sich zudem genau dokumentieren, was über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage ausgetauscht, verändert und modernisiert wurde“, sagt Kühner. In Kombination mit den Bauplänen entsteht so eine digitale Kopie der echten Anlage, der sogenannte Digital Twin. Dieser ermöglicht es Linde, Anlagenbetreiber optimal mit Service-Leistungen bedienen zu können. „Sobald eine Anlage in Betrieb geht, beginnt unser Part – mit dem Ziel: Die Kunden sollen lange Zeit erfolgreich wirtschaften können und zufrieden sein. Dann wenden sie sich auch wieder bevorzugt an Linde Engineering, weil sie bei uns stets professionelle Unterstützung erhalten“, sagt Kühner. Er will mit seinem Team sowohl erster Ansprechpartner für Probleme sein, als auch künftig aktiv auf Kunden zugehen. Jede Anlage benötigt irgendwann Serviceleistungen. Je nach Einsatzort, Zweck und Pflege, geschieht das früher oder später. Anlagen, die beispielsweise an Küsten stehen, wo korrodierendes Salzwasser allgegenwärtig ist, oder die ständig unter Grenzlast arbeiten, leiden rascher unter Verschleißerscheinungen.
Erfahrung aus über 1.000 Anlagen
Das Wissen, wann welche Reparaturen, Wartungen und Modifikationen anstehen, ist wertvoll. Nur wenn eine Anlage optimal betrieben wird, arbeitet sie effizient und profitabel. Kühner und sein Team können dabei auf eine riesige Datenbasis zurückgreifen. Denn die Linde Gas-Division mit ihren Anlagen ist ihr unternehmensinterner Kunde: „Wir haben vollen Zugriff auf 400 große und 700 kleine Anlagen. Das ist ein großer Wissensschatz. Die meisten Einheiten werden per Remote Operating Control betrieben, also über große Steuerungszentren wie am Linde-Standort in Leuna kontrolliert. Sämtliche Prozessdaten, die hier zusammenfließen, analysiert Linde und entwickelt mit unseren Digitalisierungsteam Algorithmen, mit deren Hilfe sich beispielsweise die Anlageneffizienz verbessern lässt.“
Kunden profitieren von Digital services
Und dieses Prozess-Knowhow will LINDE PLANTSERV künftig auch externen Kunden für Anlagenservices anbieten. Digital services ist eines der Produktpakete im Portfolio des neuausgerichteten Bereichs, von dem sich die Anlagenexperten in Zukunft viel versprechen. Anhand der umfassenden Datenströme lassen sich Prognosen aufstellen. Durch Condition-based Monitoring, also kontinuierliche Überwachung, will das Team um Kühner künftig Störfälle erkennen, bevor sie passieren, und gewährleisten, dass Ersatzteile rechtzeitig nachbestellt werden. Nah am Kunden zu sein und seine Bedürfnisse zu verstehen – dabei helfen weitere digitale Tools wie die Smart Glasses LindeGO. Mit diesem tragbaren Computer können die Anlagenexperten Informationen über das Sichtfeld des Benutzers übermitteln. „Dadurch können wir Betreiber sogar aus der Ferne persönlich, schnell und unkompliziert bei Problemen unterstützen“, sagt der Linde-Experte.
Partner für den gesamten Lebenszyklus einer Anlage
Das Service-Geschäft an sich ist sehr kleinteilig, weil die breite Angebotspalette ein komplettes Anlagenleben von bis zu fünfzig Jahren umfassen muss. Das Spektrum reicht von Schulungen, Wartungen und Reparaturen über Ersatzteilmanagement, operative Unterstützung und Modifikationen der Anlage bis hin zu digitalen Services. Vor allem sogenannte Revamps, also die Modernisierung und Umgestaltung von Anlagen, sind ein wichtiges Geschäftsfeld für LINDE PLANTSERV. Nach einer gewissen Laufzeit renovieren Kunden oftmals ihren Anlagenkomplex grundlegend und nehmen Modifikationen vor, weil beispielsweise die Produktionskapazität gesteigert werden soll. Hier wollen Kühner und sein Team die Betriebe künftig bereits im Vorfeld ansprechen, ob Anpassungsbedarf besteht. Kühner: „Dank der genannten Erfahrungen mit Linde Gas wissen wir in der Regel in welchen Fällen Revamps anstehen – ganz gleich, ob es ein Luftzerleger, eine Syngas-, Petrochemie- oder Flüssigerdgas-Anlage ist”
Service-Leistungen werden globaler
Derzeit liegt das Hauptgeschäft der Service-Experten in Europa – mit etwa 70 bis 80 Prozent des Gesamtumsatzes. Diese Kunden werden von etwa 60 Mitarbeitern aus München betreut. Weitere 40 Linde-Spezialisten arbeiten rund um den Globus verteilt daran, die Anlagenbetreiber bestmöglich zu unterstützen. „Wir haben ein hochmotiviertes, leistungsfähiges Team zusammengestellt. „Regionen wie die USA sind noch ausbaufähig. In Indien und China existiert die Servicekultur kaum“, erklärt der Linde-Experte. „Wir werden auf unsere Leistungen verstärkt aufmerksam machen, aber auch Teams vor Ort etablieren, damit wir Kunden dort mit der gleichen Qualität betreut werden wie das derzeit vom Headquarter aus geschieht – proaktiv, schnell und professionell.“