Konstruktion und Inbetriebnahme von Anlagen

Stahlgerüste werden errichtet, Rohre und Kabel verlegt und sämtliche Komponenten korrekt verbunden. Anlagen zu bauen ist eine Meisterleistung, die ebenfalls logistische Herausforderungen mit sich bringt. Ganz zu schweigen von den häufig schwierigen Klimabedingungen. Die Commissioning Engineers übernehmen dann die finalen Schritte: Sie verantworten die Inbetriebnahme, sodass unsere Kunden eine optimal funktionierende Anlage bekommen.

Experten für extreme Projekte

Hundert Fußballfelder – auf dieser gigantischen Fläche entstand unter maßgeblicher Beteiligung von Linde Engineering eine der größten Ethylenanlagen Russlands. Die Produktionskapazität liegt bei jährlich 1,5 Millionen Tonnen Ethylen in Polymerqualität. Die enorme Größe und Komplexität machten das Projekt Tobolsk2 zu einer Mammutaufgabe. Doch nicht weniger herausfordernd waren die Rahmenbedingungen, um den Industriekomplex zu realisieren: Die klimatischen und infrastrukturellen Gegebenheiten vor Ort verlangten Menschen und Maschinen Höchstleistungen ab. Im Winter herrschen bis zu minus 50 Grad Celsius nahe der gleichnamigen Stadt Tobolsk, östlich des Uralgebirges. Unsere Ingenieure mussten sämtliche Anlagenkomponenten so auslegen, dass sie dem extremen Klima trotzen, sich jederzeit an- und abschalten lassen und zudem wirtschaftlich wettbewerbsfähig sind. Bereits bei der Errichtung einer Propylenanlage am gleichen Standort konnte Linde Engineering seine umfassende EPC-Erfahrung (Engineering, Procurement, Construction) bei anspruchsvollen Anlagenprojekten unter Beweis stellen. Deswegen und aufgrund der Erfahrung aus insgesamt rund 4.000 realisierten Anlagen weltweit stand unser Expertenteam frühzeitig in der engeren Auswahl. Eine weitere Herausforderung dieses Projekts: Material und Betriebsmittel auf die Baustelle zu verfrachten und sämtliche Anlagenkomponenten aus aller Welt termingerecht dort anzuliefern. Die Konstruktionsteams vor Ort konnten sich dabei auf unsere optimal abgestimmte Logistik verlassen. Und das, obwohl sich für den Transport des schweren Equipments nur die im Sommer nutzbaren Wasserwege eignen. Insgesamt wurden für Tobolsk2 etwa 100.000 Tonnen Beton und 60.000 Tonnen Stahl verbaut sowie fast 5.000 Kilometer Kabel verlegt.

LNG-Anlage in Hammerfest, Norwegen.

Engineering am Polarkreis

Ob Anlagenkomplexe in Wüstenregionen oder am Polarkreis, die meist mit Investitionen in Milliardenhöhe einhergehen: Linde Engineering kann an einer Reihe von Referenzen belegen, dass unsere Experten solche Großprojekte mit klimatischen und infrastrukturellen Herausforderungen erfolgreich realisieren können. Ein Paradebeispiel, bei dem wir wahre Pionierarbeit geleistet haben, befindet sich in Hammerfest, Norwegen. Auf der kargen Insel Melkøya, etwa 600 Kilometer nördlich des Polarkreises, hat Linde einen einzigartigen Hightech-Industriekomplex errichtet: Eine der größten Erdgasverflüssigungsanlagen der Welt. Seit 2008 ist sie in Betrieb und verwandelt Erdgas in LNG (Liquefied Natural Gas), das Frachtschiffe dann rund um den Globus zu transportieren. Vier Millionen Tonnen LNG werden hier jährlich produziert. Linde Engineering hat den Anlagenkomplex so konzipiert und konstruiert, dass das komplette Equipment Schnee und Eis trotzen kann. Dennoch waren die widrigen Bedingungen vor Ort Grund genug, um die wichtigsten Anlagenmodule an bewährten Werkstätten vorzufertigen und aus verschiedenen Häfen nach Hammerfest zu transportieren. Damit haben unsere Anlagenspezialisten eindrucksvoll bewiesen: Linde Engineering kann Prozessanlagen und Schlüsselkomponenten modular aufbauen und beherrscht das ganze Portfolio von kleinen bis hin zu großen Anlagenkapazitäten – und das selbst unter den härtesten Bedingungen.

Ammoniakanlagen aus einer Hand

Bei einer weiteren Anlage, die 2017 in Betrieb ging und gleichzeitig unsere größte Referenz hinsichtlich Ammoniakproduktion ist, gab es ganz ähnliche Herausforderungen. In Togliatti, etwa 1.000 Kilometer südöstlich von Moskau, waren die klimatischen und logistischen Rahmenbedingungen ebenfalls schwierig. Beispielsweise waren Wasserwege nicht ganzjährig schiffbar, Straßen zu schmal oder Brücken nicht ausreichend tragfähig und zogen Umwege nach sich. Hinzu kamen ein straffer Zeitplan und Equipment, das aus Fertigungsstätten weltweit nach Togliatti transportiert werden musste. Dennoch meisterten unsere Ingenieure die komplette Abwicklung (Engineering, Procurement und Construction) erfolgreich und konnten die Anlage sogar bei winterlichen Temperaturen in Betrieb nehmen. Eine deutlich schwierigere Aufgabe, die unserem Team gelang, indem es eng mit den Kollegen von Linde Gas zusammenarbeitete. Die Ammoniak-Anlage nutzt das Linde Ammonia Concept (LAC™). Sie läuft stabil und zur Zufriedenheit unseres Kunden: Täglich werden 1.340 Tonnen Ammoniak und zusätzlich 8.000 Normkubikmeter reiner Wasserstoff pro Stunde erzeugt.

Die Ammoniakanlage in Togliatti, Russland, arbeitet nach dem Linde Ammonia Concept (LAC TM)

Die Inbetriebnahme: Starthilfe für den Kunden

Die Konstruktion von Industrieanlagen ist komplex, die Bauphase aufwendig. Wie bei einem Haus kommt zuerst das Fundament, dann die Stahlkonstruktion. Anschließend wird das gesamte Equipment zusammengesetzt, die Rohre verlegt und die Instrumentierung angeschlossen. Die finale Inbetriebnahme, das sogenannte Commissioning & Start-up, ist nicht minder kompliziert. Unsere Ingenieure überprüfen das verschlungene Netzwerk aus Rohren, Pumpen, Wärmetauschern und diversen Anlagenkomponenten und machen alles startklar. Sie stellen sicher, dass alles sauber, inert, dicht und trocken ist. Dann lassen die Commissioning Engineers die Produktion anlaufen, testen alle Funktionen und bringen sie in ihren gewünschten Betriebszustand – bei entsprechenden Temperaturen und Drücken. Sie erhöhen sukzessive die Auslastung der Anlage von 0 auf 100 Prozent und versuchen, deren Betrieb so effizient wie möglich zu machen und auf die Kundenbedürfnisse anzupassen.

Von virtuellen Trainings profitieren

Die Commissioning Engineers beenden die Bauphase und übergeben die Anlage dem Betreiber. Eine gute Zusammenarbeit ist auch hierbei essenziell, denn unsere Experten machen das Personal des Kunden mit allen Vorgängen vertraut und fungieren als eine Art Trainer: theoretische Schulungen, praktische Übungen und Vorbereitungen in der Inbetriebnahme helfen dabei, dass unsere Kunden ihre Anlage optimal fahren und das Maximum aus ihr herausholen können. Bei großen Industriekomplexen müssen 100 oder sogar mehr Mitarbeiter geschult werden. Deshalb erstellen unsere Ingenieure bereits während der Bauphase eine dreidimensionale virtuelle Kopie der Anlage. Diese lässt sich für ein realistisches praktisches Feldtraining nutzen. Dazu kooperiert Linde mit Firmen, die normalerweise digitale Welten für Computerspiele gestalten. Aus den nur von Fachleuten lesbaren Daten entsteht ein virtuelles Pendant der Anlage, die sich als interaktive Trainingsplattform nutzen lässt. Dadurch bekommt das Betreiber-Personal bereits frühzeitig die Gelegenheit, sich mit der Anlage vertraut zu machen. Als Prototypen bildete Linde Engineering einen Teilkomplex der weltgrößten Gasaufbereitungsanlagen in der Amur-Region in Ostrussland virtuell ab. Im Anschluss an das Feldtraining kann der Betrieb sogar in einer virtuellen Messwarte simuliert werden. Mithilfe dieses Virtual Training Simulators lässt sich das Personal optimal für den Alltagsbetrieb schulen, aber auch der Umgang mit Notfallsituationen trainieren.

Virtual Reality Tour, Einblicke in die Anlage des Projekts Amur, Russland
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