Um fossile Energieträger effizient zu erschließen, sind innovative Technologien gefragt. Industriegase wie etwa Stickstoff spielen dabei eine zentrale Rolle. Bei der Enhanced Oil and Gas Recovery (EOR bzw. EGR) wird der Stickstoff in den Untergrund gepresst, um die fossilen Bodenschätze leichter gewinnen und die Fördermenge erhöhen zu können. Zur Erzeugung der benötigten Mengen an Stickstoff hat Linde in den vergangenen Jahren einige der größten Luftzerlegungsanlagen der Welt konstruiert und gebaut. Weltweit bekannt ist beispielsweise der Standort Cantarell in Mexiko.
Stickstoff verdoppelt Fördermenge
Das etwa einhundert Kilometer vor der Golfküste gelegene Feld ist Teil eines der bedeutendsten Offshore-Fördergebiete und war lange Zeit das zweitproduktivste Ölfeld der Welt. Durch die Einleitung von Stickstoff verdoppelte sich dort die Fördermenge zeitweise von einer Million auf 2,2 Millionen Barrel pro Tag. Der rasante Produktionsanstieg begann unmittelbar nach der Fertigstellung der landgestützten Stickstoffanlage durch Linde im Jahr 2000. Vier, seit 2004 sogar fünf Luftzerlegungseinheiten bilden den Kern des Systems. Sie gewinnen das Gas, indem sie zunächst die Umgebungsluft bis zum Verflüssigungspunkt abkühlen. Anschließend destillieren Rektifikationskolonnen die flüssige Luft in ihre einzelnen Komponenten. Den so erzeugten Stickstoff leiten 36-Zoll-Pipelines unter hohem Druck dann zum einhundert Kilometer entfernten Ölfeld im Meer, wo er in den Untergrund injiziert wird.
Bei der sogenannten Enhanced Oil and Gas Recovery werden Gase wie z. B. Stickstoff unter hohem Druck in die Lagerstätte injiziert. Das erhöht unter anderem den Förderdruck in der Lagerstätte und die Fördermenge.
Liefervertrag mit Linde verlängert
Aufgrund der positiven Erfahrungen an Standorten wie Cantarell erwarten Experten, dass der weltweite Markt für EOR und EGR in Zukunft wachsen wird. Die Zusammenarbeit im mexikanischen Cantarell geht weiter: Die dortige Betreiberfirma hat den Liefervertrag mit Linde verlängert. Mittlerweile werden auch umliegende Ölfelder mit dem Stickstoff aus den Cantarell-Anlagen versorgt, um verbleibende Reserven optimal nutzen zu können.