Auf Erdgas entfällt rund 30 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und dieser Prozentsatz wird in den kommenden Jahren wohl noch weiter steigen. Erdgas wird zur Stromerzeugung und Wärmegewinnung eingesetzt – etwa zum Beheizen öffentlicher Gebäude und privater Haushalte oder zum Betanken von Autos, Bussen, Lastwagen und sogar von Schiffen. Bei der Verbrennung entstehen weder Feinstaub noch Stickoxide. Als Flüssigerdgas (LNG) lässt es sich in riesigen Tanks speichern und über lange Strecken mit Containerschiffen relativ kostengünstig transportieren. In den letzten 25 Jahren hat sich die globale Verflüssigungskapazität mehr als verdreifacht.
Neue Klasse mittelgroßer Verflüssigungsanlagen
Lange war der LNG-Markt in zwei Bereiche aufgeteilt: Hier die kleinen und mittleren Produktionsanlagen mit Kapazitäten von bis zu 0,5 Millionen Jahrestonnen, dort die Großanlagen mit Verflüssigungskapazitäten zwischen 3,5 und 7,8 Millionen Jahrestonnen. Doch seit einiger Zeit geht der Trend hin zu mittelgroßen LNG-Anlagen, die rund ein bis zwei Millionen Tonnen pro Jahr produzieren. Anlagen dieses Typs bieten das Beste aus beiden Welten Sie verwenden vorbehandeltes, per Pipeline bereitgestelltes Rohgas, produzieren aber große Mengen an LNG für den Export in hochpreisige Märkte.
Inzwischen lassen sich solche mittelgroßen LNG-Anlagen mit standardisierten Maschinen, Equipment und Instrumenten realisieren, die normalerweise für kleinere Anlagen eingesetzt werden. Vorgefertigte Module können den Konstruktionsaufwand vor Ort deutlich verringern, besonders in entlegenen Regionen oder in Umgebungen, in denen Bauarbeiten schwierig oder kostspielig sind. Dank des hohen Standardisierungs- und Modularisierungsgrads sowie der bewährten Equipmentgrößen können Kontraktoren auf deutlich mehr Lieferanten zurückgreifen und wettbewerbsfähigere Preise anbieten. Auch durch den verstärkten Einsatz von Rahmenvereinbarungen für Komponenten mit langer Lieferzeit und vorgefertigten Engineering Design Konzepten lassen sich die Vorlaufzeiten von der Ausschreibung bis zur kommerziellen Produktion für mittelgroße Anlagen im Vergleich zu Großanlagen deutlich reduzieren.
Zu diesem Zweck hat die Engineering Division der Linde Group gemeinsam mit der Elliott Group ein hoch standardisiertes und modularisiertes Konzept für den Kältekreislauf-Kompressor in kleinen bis mittleren LNG-Anlagen entwickelt. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung wurde im März 2016 unterzeichnet.
Aufgrund dieser Vereinbarung ist Linde Engineering in der Lage, die Projektlaufzeiten deutlich zu beschleunigen.
Quote „Wird die gesamte Projektentwicklungsphase berücksichtigt, dann produzieren mittelgroße LNG-Anlagen in vielen Fällen das erste Flüssigerdgas vier bis fünf Jahre früher als Großanlagen.” |
Zahlreiche Vorteile für den Kunden
Das Konzept für eine neue Klasse mittelgroßer LNG-Produktionsanlagen basiert auf der für Kleinanlagen entwickelten StarLNG-Technologie. Wir gehen davon aus, dass die Attraktivität solcher Anlagen für den internationalen LNG-Markt noch steigen wird, da sie die Vorteile mittlerer und großer Anlagentypen und -märkte vereinen. Für den Kunden liegen die Vorteile auf der Hand: Das Konzept verringert den Prozessaufwand für bereits vorbehandeltes Rohgas und bietet weitere Größen/Skalierungs-Vorteile im Vergleich zu kleinen LNG-Anlagen. Das vollständig modularisierte Konzept eignet sich für wettbewerbsintensive Märkte, verringert die Baukosten und erlaubt darüber hinaus den Einsatz gängiger Equipmentgrößen, ohne dabei an technische Grenzen gehen zu müssen. Darüber hinaus vermindert es das Gesamtprojektrisiko und die Komplexität im Vergleich zu LNG-Großprojekten (kürzere Projektlaufzeiten und geringere Komplexität bei der Finanzierung). Und schließlich sorgt das Konzept dafür, dass neben den großen Öl- und Gas-Produzenten auch neue Akteure Zugang zum LNG-Exportmarkt bekommen.